Das Asperger Freibad öffnet doch

Veröffentlicht am 05.07.2020 in Aktuelles

In seiner Sitzung vom 30.06.2020 hat der Asperger Gemeinderat nochmals über die Öffnung des Asperger Freibades in 2020 beraten. Nachstehend finden Sie die Stellungnahme der SPD, die wir in dieser Sitzung gegeben haben:

"Zu Beginn der Pandemie traf die Verwaltung eine weise Entscheidung: Das Asperger Freibad wird diesen Sommer nicht öffnen. Die SPD-Stadträte haben diesen Entschluss der Verwaltung mitgetragen und stehen zu 100% zu der Entscheidung, auch heute noch.

Der Kabarettist Tobias Mann hat die Entwicklung der vergangenen Wochen in einem satirischen Lied auf den Punkt gebracht: "Endlich wieder alles normal, endlich wieder alles egal!"

Und in dem Lockerungswettbewerb, den Tobias Mann hier beschreibt, will nun auch Asperg mitspielen und sein Freibad unbedingt öffnen. Wir werden dies nicht mittragen und unsere Gründe benennen:

Auch wenn man nur ein paar Hundert Menschen in das Bad ließe, könnten die Hygienestandards kaum bis gar nicht eingehalten werden. Laut der Sitzungsvorlage sollen 3 Aufsichtspersonen die Becken überwachen. Wie eine Aufsicht die Abstandsregeln von 290 Badegästen gleichzeitig kontrollieren will bleibt unklar. Gleiches gilt für die eine Sicherungskraft, die bei maximal 500 anwesenden Besuchern die übrigen Bestimmungen wie Mindestabstand und Maskenpflicht, die zumindest im Eingangsbereich greifen müsste, prüfen und durchsetzen will. Außerdem ist zu erwarten, dass nicht alle Besucher mitbekommen werden, dass man keine regulären Eintrittskarten, sondern diese nur im Internet erwerben kann. Gelinde gesagt ist dies ein Punkt, der im Eingangsbereich zu Unmut führen kann. In diesem Zusammenhang bleibt auch festzuhalten, dass einige Menschen, vor allem ältere, per se vom Badebetrieb ausgeschlossen werden, nämlich jene, die kein Internet haben.

Ein weiter Punkt sind die fehlenden Attraktionen im Bad. Wasserrutschen, Sprungtürme, Sportanlagen und der Kiosk bleiben geschlossen. Man kann Schwimmen, ein wenig Liegen und nach 4 1/2 Stunden heim gehen. Ob das der von den Öffnungsbefürwortern propagierte Ersatz für die Sommerferienreise ist, bleibt dahingestellt. Außerdem wird es wie in anderen Kommunen auch, ganz schnell Klagen geben, dass der Eintrittspreis für fast Nichts viel zu hoch ist.

Auch die Kostensituation erschließt sich nicht völlig. Unseres Erachtens kann man bei weiterer Schließung des Bades nicht von fixen Personalkosten von 200 T€ ausgehen. Das Freibad ist ein Betrieb gewerblicher Art. Es wäre hier zumindest zu prüfen, ob nicht Kurzarbeit beantragt werden kann und es Einsatzmöglichkeiten in anderen städtischen Bereichen gibt.

Das Jahr 2020 ist kein normales Jahr. Über 10 Mio Menschen sind weltweit am Coronavirus erkrankt, 500.000 daran gestorben. Es wäre daher geboten, einmal innezuhalten und nicht ständig sich bei den Lockerungen zu überbieten. Daher appellieren wir an Sie Herr Bürgermeister Eiberger und die werten Ratskolleginnen und -kollegen Ihre Sichtweise nochmals zu überdenken."

Unser Appell verhallte einigermaßen ungehört. Lediglich 3 Stadträte von Bündnis 90/Die Grünen stimmten ebenfalls gegen die Öffnung des Bades, die übrige Ratsmehrheit dafür. Sie können sich vorstellen, dass wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht haben, vor allem weil die Asperger SPD seit Jahren dafür kämpft, das Lehrschwimmbecken zu erhalten und Kindern das Schwimmen beizubringen. Allerdings brauchen besondere Zeiten eben auch besondere Antworten. Wir wollen hoffen, dass sich unsere Stadt durch die Öffnung nicht zu einem Corona-Hotspot entwickelt.