Lieselotte Dunai wird vom SPD-Landesvorsitzenden Andreas Stoch für 65 Jahre in der SPD geehrt
Seit 125 Jahren gibt es die SPD in Asperg. Diese stolze Zahl feierte der Ortsverein zusammen mit vielen Gästen am vergangenen Freitag im Asperger Keltensaal. Der Co-Vorsitzende Jörg Fröscher konnte unter den Gästen unseren Bundestagsabgeordneten Macit Karaahmetoglu begrüßen, der direkt von der Bundestagssitzung in Berlin nach Asperg kam. Auch der ehemalige Landtagsabgeordnete und SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel war unter den Gästen. Neben den Ehrenmitgliedern des Ortsvereins, Heinz Beck und Herbert Paul, waren auch Vertreterinnen und Vertreter der örtlichen CDU, der Grünen und der Freien Wähler unter den Gästen.
Bürgermeister Eiberger betonte in seinem Grußwort an die Festversammlung, dass 125 Jahre SPD Asperg ein Anlass zur Freude, zur Dankbarkeit und auch zur Besinnung auf eine beeindruckende Geschichte politischen Engagements vor Ort, am Bürger, an der Basis sei: „Die Mitglieder der SPD in Asperg haben sich über Jahrzehnte hinweg für die Bürgerinnen und Bürger eingesetzt und damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung unserer Stadt und unseres Gemeinwesens geleistet. Sie haben mitgeholfen, dass Demokratie nicht abstrakt bleibt, sondern im Alltag der Menschen erfahrbar wird. Die demokratische Standhaftigkeit und den Mut, sich für Menschen einzusetzen, zeichnet sie alle aus.“
Der SPD-Landesvorsitzende, MdL Andreas Stoch, rief die Mitglieder des Ortsvereins auf, trotz der schlechten Wahlergebnisse sich auf die Stärken der SPD zu besinnen: „Eine unserer größten Stärken ist die Gemeinschaft, ist die Zusammenarbeit, ist die Geschlossenheit. Auch das ist in einem kleinen Ortsverein jedem viel deutlicher bewusst. Wenn wir nicht zusammenhalten, können wir zusammenpacken! Bleiben wir ein starkes Team, denn dann wird die SPD wieder stark. Und von A wie Asperg bis Z wie Zwiefalten: Baden-Württemberg BRAUCHT eine starke SPD.“
Andreas Stoch konnte anschließend zwei Genossinnen für jahrzehntelange Treue zur SPD ehren. Lieselotte Dunai gehört seit 65 Jahren unserer Partei an. Bei ihrer Schulentlassung war sie gerade einmal 13,5 Jahre alt und arbeitete anschließend als Haushaltsgehilfin bei der Nichte des ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss. 60 Jahre lang war sie mit dieser Familie verbunden. Über ihren Mann, Johann Dunai, kam sie 1965 zur SPD und kandidierte auch zu den Gemeinderatswahlen. Legendär waren ihre selbstgebackenen Kuchen zum traditionellen Spiel-Mit-Nachmittag des Ortsvereins für Kinder, die bis heute in den Ferien dieses Angebot der Asperger SPD annehmen.
Claudia Breckel ist seit 25 Jahre Mitglied in der SPD. Auch sie kam über ihren Mann, unseren Stadtrat Ottmar, zur Asperger Sozialdemokratie. Bekannt im Flecken als Floristin in einem Asperger Blumenladen, ist sie seit längerem Beisitzerin im Asperger Ortsvereinsvorstand. Der Blumenschmuck im Keltensaal wurde natürlich von ihr geliefert.
Anschließend erzählten Peter Wilde und Jörg Fröscher, begleitet vom ehemaligen Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold mit Arbeiterliedern, von der 125-jährigen Geschichte der SPD in Asperg.
Eigentlich beginnt die Geschichte der Arbeiterbewegung in Asperg nicht erst 1901, sondern schon zwei Jahre vorher. Der spätere Landtags- und Reichstagsabgeordnete Wilhelm Keil aus Ludwigsburg lud zu einer Versammlung am 18. Juni 1899 in das Gasthaus „Zur Krone“ ein. 1901 gründete sich dann in zwei Versammlungen der Arbeiterverein Asperg. Tagungsstätten waren die Gasthäuser „Stern“ und „Mohren“ – alten Asperger Bürgern bestimmt noch ein Begriff. Zum Vorsitzenden dieses Vereins wurde der Maurergeselle Jakob Seitz gewählt. 43 Mitglieder zählte der Verein im Gründungsjahr. Ein erster Höhepunkt war die Anschaffung eines Fahnenbanners im Jahr 1907, das bis heute im Besitz des Ortsvereins ist. Durch den Einsatz der Familie Mahr konnte es über die Nazi-zeit gerettet werden; eingenäht in ein Sofakissen. Bei der Festversammlung im Keltensaal schmückte es das Rednerpult. Beim Kongress der II. Sozialistischen Internationalen in Stuttgart zeigten die Asperger voller Stolz dieses Banner, das sehr große Beachtung fand. Teilnehmer an diesem Kongress waren unter anderem Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, August Bebel und auch Lenin. 1909 konnte die Asperger Arbeiterbewegung den ersten Gemeinderat stellen. Später prägten Wahlergebnisse bis zu 70% für den Asperger Gemeinderat diese Zeit.
Während der Weimarer Republik gründete sich 1925 mit der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) ein Jugendverband. Initiator und Gründer dieser „Jungen Garde“ war der Asperger Lehrer Eugen Däs. Besonders heftig war die Zeit vor der Machtübernahme der Nazis auch in Asperg. Die SPD trat dem Reichsbanner „Schwarz-Rot-Gold“ bei. Dabei waren von den Sozialdemokraten u.a. Eugen Däs, Johannes Schweizer und Friedrich Mahr. Einige Mitglieder wohnten in einem Gässle zwischen der Bahnhofstr. 61 und 65. Bald wurde es in Asperg das „Reichsbannergässchen“ genannt. In diesem Gässchen wurde unser Banner in der Nazi-Zeit versteckt.
Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden viele Sozialdemokraten und Kommunisten aus dem Landkreis Ludwigsburg auf dem Hohenasperg inhaftiert und anschließend in ein KZ gebracht. Eindrucksvoll berichteten Peter Wilde und Jörg Fröscher auch von der Inhaftierung der Sinti und Roma auf dem Tränenberg. Heute gedenkt die Stadt Asperg mit einer Gedenktafel und einer jährlichen Feier am Bahnhof dieses Ereignisses.
Interessant waren auch die Ereignisse in den 60er und 70er-Jahren. Durch die Studentenbewegung initiiert, kamen viele junge Menschen auch zur Asperger SPD. Die „Jungen Wilden“, wie sie genannt wurden, setzten sich vor allem für ein Jugendhaus in Asperg ein. Mit Heinz Beck und Peter Wilde waren zwei Vertreter dieser Gruppe bei der Feier dabei. Heinz Beck setzte sich auch lange und erfolgreich für die Nichtbebauung des Asperger Bürgergartens ein. Oftmals gegen die Meinung der eigenen Gemeinderats-fraktion.
Die Co-Vorsitzende Nicole Furtwängler bedankte sich bei den Referenten und bei unserem Sänger Rainer Arnold für den gelungenen Vortrag. Außerdem bedankte sie sich bei unserem Ehrenmitglied Herbert Paul, der tatkräftig Unterstützung bei der Gestaltung der Ausstellung mit Plakaten und Bildern im Saal leistete. Ausklang fand die Veranstaltung im Foyer bei Getränken und Snacks.
Claudia Breckel wird vom SPD-Landesvorsitzenden Andreas Stoch für 25 Jahre in der SPD geehrt.
Bürgermeister Eiberger überreicht an die Co-Vorsitzenden Nicole Furtwängler und Jörg Fröscher einen Scheck zum 125-jährigen Jubiläum.Einladung von Wilhelm Keil zur Versammlung am 18. Juni 1899 in das Gasthaus „Zur Krone“Fahnenbanner von 1907