Bericht aus der Gemeinderatsfraktion

Veröffentlicht am 17.04.2007 in Kommunalpolitik

Teil I: Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung für das Stadtquartier Berliner-, Lange-, Stuttgarter- und Schillerstraße

Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse sind in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung und am 26.3.2007 auch in einer städtischen Informationsveranstaltung in der Stadthalle (ca. 80 Besucher) durch den Verkehrsplaner Prof. Kölz präsentiert und erläutert worden. Die vorgestellte Verkehrsanalyse fußt auf im Jahr 2006 durchgeführten Dauer- (6-22 Uhr) und Knotenpunktzählungen (zu bestimmten Zeiten), und zwar jeweils vor und nach der Umleitungsphase (anlässlich der Bauentwicklung der Neuen Mitte) in diesem Gebiet. Sie sind eine repräsentative Datengrundlage. Zusammenfassend stellt der Gutachter in seinem Gutachten fest:

  • Das Verkehrsaufkommen ist nach der Umleitungsphase wieder deutlich reduziert und die Verkehrsbelastungen in der Berliner Straße und in der Lange Straße seien durchaus angemessen.
  • Alternative Varianten (Varianten 1 und 2), z.B. die Unterbrechung der Berliner Straße, führen zur Verdoppelung des Verkehrs in der Lange Straße und somit wäre die Verkehrsbelastung nur verlagert.
  • Die Anordnung verkehrsberuhigter Bereiche (Variante 3: „Spielstraßen“) in der Berliner- und in der Lange Straße sind nicht dazu geeignet, den Schleichverkehr nennenswert zu minimieren (der Quell- und Zielverkehr überwiegt und das Verhalten der „Schleicher“ lässt sich nur begrenzt beeinflussen).
  • Einbahnregelungen (Variante 4) führen dazu, dass sich der Durchgangsverkehr innerhalb des Quartiers auf benachbarte Straßen verlagere und dass beim Ziel- und Quellverkehr Umwegfahrten entstehen.
Fazit des Gutachters: Eine konsequente Sperrung der Berliner- und der Lange Straße führt zu unerwünschten und teilweise gravierenden Mehrbelastungen im Nebenquartier und bedeutet zum Beispiel für die Schillerstraße eine deutliche Verkehrszunahme. Unter Abwägung aller Lösungsalternativen wird der Ansatz empfohlen, der die Erschließung im jetzigen Gleichgewichtszustand belässt und durch gezielte Einzelmaßnahmen (bauliche und gestalterische) versucht, den „Fremdverkehr“ im Gebiet zu reduzieren.

In einer Fragerunde und anschließender Diskussion wurden die Standpunkte der betroffenen Bürgerinnen und Bürger angehört und vom Planungsbüro und dem Bürgermeister beantwortet. Bemängelt wurde dabei die Engstelle vor dem Kindergarten Berliner Straße, die Geschwindigkeitsüberschreitungen sowie die Kfz-Zählungen. Kritisiert wurde ferner, dass die im Bebauungsplan vorgesehene Unterbrechung der Berliner Straße nicht umgesetzt wird. Vertreter der Dresdner- und Königsberger Straße warnten vor einer Mehrbelastung. Bedenken wurde auch für das vorgesehene Verbot des Geradeausverkehrs aus der Stuttgarter Straße in Richtung Königstraße genannt, weil dadurch ein Schleichverkehr über die Badstraße - Bogenstraße in Richtung Tamm befürchtet wird. Bedauert wurde auch, dass der verkehrsberuhigte Bereich in der Lange Straße nicht weitergeführt wurde und die vor Jahren bestandene Chance, die Südstraße als große Umgehung zu planen, vertan wurde.

Die SPD-Fraktion wird die Ergebnisse des Gutachters und die Diskussion in der Stadthalle in ihre Abwägung bei den Beratungen im Gemeinderat berücksichtigen. Wir wollen, dass die Verkehrsbelastung auf alle Betroffenen gleich verteilt wird und wollen für die Sicherheit in den Wohngebieten sorgen. „Eine autofreie Stadt“ werden wir nicht erreichen. Dies würde dem Mobilitätsbedürfnis der Menschen widersprechen, aber eine große Umgehungsstraße könnte dafür sorgen, dass langfristig der Durchgangsverkehr in Asperg reduziert werden könnte.

Der Artikel stammt aus der Feder von Hubert Kohl, Fraktionssprecher der SPD Gemeinderatsfraktion.