Walter Momper als Jubiläums-Gast

Veröffentlicht am 06.05.2013 in Aus dem Parteileben

Foto Momper BU: Walter Momper und das Asperger Banner von 1907

Zum 150-jährigen Jubiläum der Sozialdemokratischen Partei hatten die vier SPD-Ortvereine Asperg, Markgröningen, Möglingen und Tamm am vergangenen Sonntag Walter Momper aus Berlin zu Gast. Walter Momper war von 1989 bis 1991 Regierender Bürgermeister von Berlin, also zur Zeit der Maueröffnung mit der anschließenden Wiedervereinigung Deutschlands.

In seiner Rede im Markgröninger Spitalkeller zeigte Momper am Beispiel der beiden großen Sozialdemokraten Otto Wels und Willy Brandt einerseits deren persönlichen unbeugsamen Einsatz, andererseits ihre geschichtliche Bedeutung auf.

- Otto Wels: Bei der Verweigerung der Zustimmung zum Ermächtigungsgesetzt am 23. März 1933 haben er und seine 93 Mitverweigerer an der Vision einer freien, demokratischen Gesellschaft, aber auch am Bild eines dem Gewissen verantwortlichen Volksvertreters festgehalten. Die Verwirklichung ihrer Vision konnten nur einige der „94 Aufrechten“ noch erleben: mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949.

- Willy Brandt: Mit seinem Motto „mehr Demokratie wagen“ und seiner „Aussöhnung mit dem Osten“ habe Brandt das Ende der „Adenauer’schen Republik“ eingeläutet und Deutschland „europafähig“ gemacht. (Momper: „Ohne Brandts Ostpolitik wäre eine Wiedervereinigung nicht möglich gewesen. Sie hat auch den Weg für eine Europäische Union geebnet.“)

Momper zog die Zuhörer dadurch in seinen Bann, dass er die bedeutenden geschichtlichen Ereignisse einerseits auf den Punkt brachte, sie andererseits in Stimmungsbilder einband, wie z.B. das Spießrutenlaufen der SPD-Reichstagsabgeordneten durch die „braunen Haufen“ zum Sitzungssaal am 23. März 1933.
Das „Schmankerl“ zum Schluss war sein mit Details gespickter Erlebnisbericht vom 9. November 1989 – für Momper nicht nur ein Jahrhundert-Ereignis, sondern persönlich auch ein risikobehafteter und glücklicher Tag zugleich. H.P.