Claus Schmiedel (2. von links) stellt sich den Fragen zur BildungspolitikMit großem Engagement und „verbaler Kraft“ ist er in sein neues Amt gestartet. Als Vorsitzender der SPD-Landtagfraktion möchte er jedoch seinen Wahlkreis nicht vernachlässigen. Und so meldete Schmiedel sich beim SPD-Ortsverein an, um einen Informationsabend zur Bildungspolitik der SPD durchzuführen.
Inhaltlicher Zugriff des Abends am 26.2.08 war das Thema „Grundschulempfehlung“. Dies setzt die Grundschüler (spätestens ab Klasse 3) einem Leistungsdruck aus. „Viele Eltern hätten das Bestreben, dass ihr Kind eine Empfehlung für die Realschule bzw. fürs Gymnasium bekommt. Das führt zu Leistungsstress,“ so Schmiedel.
Mit dem Rücken zur Wand
… steht die CDU-FDP-Landesregierung angesichts der vielfältigen Schulprobleme und der vielfältigen Kritik am dreigliedrigen Schulsystem: PISA-Ergebnisse verweisen auf Schwachstellen, Hauptschulrektoren machen auf die Probleme ihrer Schulart aufmerksam, der Städtetag wünscht mehr Mitspracherecht der Kommunen, aus anderen Bundesländern kommt „ein Reformdruck“, die Einführung des G8 wurde äußerst mangelhaft vorbereitet und umgesetzt, der Ruf nach Ganztagsschulen wird immer lauter… Dieser Situation stehen Kultusminister Rau und Ministerpräsident Oettinger hilflos gegenüber: „Man könnte von Fall zu Fall 5.- und 6.-Klässler der Haupt- und Realschule gemeinsam unterrichten“, so Rau. Oettinger sucht nach Stundenentlastung am Gymnasium und schlägt die Kürzung naturwissenschaftlicher Fächer vor. (Rein juristisch ist eine Stundenentlastung gar nicht möglich, da für das Abitur europaweit eine „Mindest-Gesamtstundenzahl“ vorgegeben ist.)
Das bildungspolitische Programm der Landes-SPD
- Die Entscheidung für eine weiterführende Schule muss den Eltern vorbehalten sein. „Rheinland-Pfalz habe gezeigt, dass Elternentscheidung nicht zu einem verstärkten Ansturm aufs Gymnasium führt“, so Schmiedel. Auf die Frage eines Teilnehmers, ob Eltern die Entscheidung wirklich besser als Lehrer vornehmen können, blieb die Antwort offen.
- Die SPD fordert die sechsjährige Grundschule. Die Leistungsauslese in Klasse 4 kommt entwicklungsbezogen zu früh.
- Die Ganztagsschule muss Standard sein, um Bildung, Erziehung und individuelle Förderung wirksam durchführen zu können.
- Als Übergangsphase zu einer Gesamtschule sieht die SPD die Möglichkeit, Hauptschule und Realschule in einer gemeinschaftlichen Schule zusammenzufassen, natürlich mit einem entsprechenden „Differenzierungsangebot“.
- Der Bildungsplan des 8-jährigen Gymnasiums bedarf einer Überarbeitung.
Finanzieren möchte die Landes-SPD die Reformmaßnahmen (a) durch Einschränkungen bei bestimmten Ausgabenposten (z.B. bei großzügigen Baumaßnahmen und Werbekampagnen) und (b) indem der Schuldenabbau verlangsamt wird.