Erinnerung an den Kniefall von Warschau vor 50 Jahren

Veröffentlicht am 13.12.2020 in AG 60plus

Unsere Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans haben dem Kniefall von Bundeskanzler Willy Brandt im Warschauer Ghetto vor 50 Jahren gedacht. Wir wollen Ihnen nachstehend ihre Zeilen wiedergeben:

"Besonders wertvoll ist die Erinnerung, wenn sie uns Hinweise geben kann für heute und morgen, wenn wir aus der Geschichte lernen dürfen. Mit Willy Brandt verbinden uns viele solcher wertvollen Erinnerungen.


 
Vor 50 Jahren hat eine Geste den Lauf der Dinge verändert. In Deutschland, Europa, in der Welt.
 
Willy Brandts Kniefall in Warschau war ein Zeichen der Demut, war die Bitte um Vergebung für die beispiellosen Verbrechen der Nazis. Er, der einstige Widerstandskämpfer, tat dies im Namen aller Deutschen. Es war das Versprechen, niemals zu vergessen. Und es war — mitten im Kalten Krieg — die ausgestreckte Hand von West nach Ost, das Angebot für Dialog, Verständigung, Zusammenarbeit.


 
Willy Brandt bereitete damit den Boden für den späteren Fall der Mauer und das Zusammenwachsen Europas. Weltpolitik in einer einzigen Geste.
 
Und das erforderte Mut. Denn damals, 1970, waren seine Ostpolitik im Allgemeinen und der Kniefall im Besonderen alles andere als unumstritten. Vor allem Konservative liefen Sturm dagegen. Sie hatten nicht verstanden, dass es kein Zeichen von Schwäche war, sondern im Gegenteil — von Stärke! Und die Geschichte gab Willy Brandt recht. Wir erinnern uns mit Stolz an seinen Mut und seine Weitsicht.


 
Das ist eine der Lehren aus der Geschichte: Dass es oft Mut braucht für Fortschritt, der das Leben von Millionen Menschen besser macht. Dass Zusammenarbeit, Aussöhnung, Verständigung uns alle weiterbringt und stärker macht. Das alles ist heute so wichtig wie damals. Den Kampf gegen rechts müssen wir auch heute hart und entschlossen führen. Denn die Feinde der Demokratie mobilisieren immer wieder gegen die Freiheit und unsere Werte. Wir stellen uns ihnen entgegen, kompromisslos, so wie wir es immer getan haben.


 
Und wir haben den Mut für echten Fortschritt. In Deutschland ebenso wie in Europa. Für uns gehören die Solidarität unter den Mitgliedsstaaten und die Grundwerte, die uns in Europa verbinden und ausmachen, untrennbar zusammen. Wir wollen die Europäische Einigung stärken und vertiefen. Deutschland als Motor und Mittler in Europa kommt dabei eine besondere Verantwortung zu.


 
Das alles geht nicht verzagt und ängstlich. Wer sich nicht bewegt, tritt auf der Stelle. Unsere Zeit braucht Mut und gute Ideen. Und darum werden es Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sein, die auch in den kommenden Jahren den Fortschritt vorantreiben.
 
Willy Brandts Kniefall von Warschau ist viel mehr als nur ein Schlaglicht. Diese Geste hat im Buch der Geschichte ein neues Kapitel aufgeschlagen. Sie ist uns Inspiration und Auftrag. Wir sind dankbar und stolz, dass Willy einer von uns war."

So weit die Worte unserer Parteivorsitzenden. Auch im SPD-Ortsverein gibt es viele Genossinnen und Genossen, die wegen Willy Brandt in die SPD eingetreten sind. Er bleibt neben August Bebel, Otto Wels und Kurt Schumacher einer unserer sozialdemokratischen Überväter. Gerade in den heutigen Tagen gelten Bundeskanzler Willy Brandts Worte aus seiner ersten Regierungserklärung fort: "Wir wollen mehr Demokratie wagen..."